Die Kai

Die Kai, die Gebote

Viele Leute fragen: „Wie kann man den Zazengeist im Alltag praktizieren?“ Die Antwort liegt in der Weitergabe der Gebote. Wie den Alltag als Buddha konkret leben? Wie nicht von Buddha verschieden sein? – Indem man die Gebote schützt und praktiziert, die seit Buddha weitergegeben werden. Diese Gebote sind keine Verbote, sind keine enge Moral, die auf Verboten basiert. Sie sind völliger Ausdruck des Mitgefühls und der Weisheit von Zazen. Wie ein glückliches Leben führen? Wie kein Leiden schaffen für sich selbst und andere? Wie in Harmonie mit seiner wahren Buddha-Natur leben? – Darin besteht die Unterweisung der Gebote, die von Buddha Shakyamuni bis heute weitergegeben wurden. Diese Gebote lauten:

 

    1. Nicht töten
    2. Nicht stehlen
    3. Kein schlechtes Sexualleben führen
    4. Nicht lügen
    5. Nahrung und Getränke nicht missbrauchen
    6. Nicht selbstgefällig sein und andere kritisieren
    7. Nicht geizig sein, nicht zu viel begehren
    8. Nicht in Wut geraten
    9. Keine irrigen oder dogmatischen Ego-Ansichten haben
    10. Nicht die drei Kostbarkeiten missbrauchen (verleumden)

 

Die Bedeutung der einzelnen Gebote hier jetzt noch im Detail zu diskutieren, würde zu weit führen. Das wäre ein Thema für einen neuen Vortrag. Die Auslegung der Gebote wird im allgemeinen sehr weit gefasst. Zwei Beispiele:

Vom Standpunkt der Zazen-Praxis aus bedeutet Nicht-Töten nicht nur das Nicht-Töten anderer Menschen, sondern das Leben zu respektieren, alle Formen des Lebens. Alle Existenzen sind Einheit. Sie und ich, wir sind in der Tiefe weder unterschieden noch getrennt. Wenn wir das tief verstehen, können wir der Aggression, den destruktiven Verhaltensweisen entgegenwirken und eine tiefe Sympathie mit allen Wesen entwickeln, die Quelle einer wirklichen Solidarität wird, ohne die keines der großen Ungleichgewichte, die die Menschheit bedrohen, gelöst werden kann, wie z.B. die wachsenden Gegensätze zwischen den reichen Ländern und den Entwicklungsländern und die wachsenden Gegensätze im Innern der Länder zwischen denen, die Zugang zu Reichtümern haben und denjenigen, die immer ärmer werden.

In der gleichen Weise bedeutet Nicht-Stehlen, dass man das nicht nimmt, was einem nicht gehört. Aber was gehört uns bei unserer Geburt? Es ist das Mönchsideal nur mit seinem Kesa und seiner Eßschale zu leben. Das ist alles, was wir zum Leben brauchen: unseren Körper ernähren und Zazen machen. Selbst wenn wir diesem Ideal nicht ganz folgen in Bezug auf die Enthaltung von überflüssigen Gütern, so ist doch klar, dass die Zazenpraxis uns dazu bringt, unsere Wünsche zu begrenzen und zu einem einfachen und natürlichem Leben zurückzukehren. Die Achtung der Umwelt und der Natur zeigt sich als eine Vereinfachung der menschlichen Bedürfnisse, als eine Rückkehr zum Normalzustand von Körper und Geist. Gerade darin besteht die Zazenpraxis.