FAQ – Häufige Fragen

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Wie komme ich mit meinen Fragen zurecht?

– Im Zen* (mit Sternchen * versehene Worte werden im anschließenden Glossar erläutert) wird der persönliche Kontakt stark betont. Wenn Ihr Fragen habt, stellt sie am Besten im Dojo*. Ihr könnt vor oder nach dem Zazen* eine Frage an einen der Verantwortlichen oder andere Praktizierende stellen. Das ist immer möglich.

Ihr könnt auch um ein persönliches Gespräch bitten. Dann wird eine/r der Verantwortlichen eine Möglichkeit schaffen Eure Frage unter vier Augen zu besprechen.

 

Muss ich wirklich in der Lotushaltung sitzen?

– Nein. Aber es ist die Mühe wert, so nah wie möglich in die Nähe der Lotushaltung zu kommen. Aus zwei Gründen. Erstens ist es nicht unwesentlich, täglich körperliche Energie in die Zazenpraxis zu stecken. Zazen* ist nicht eine rein mentale Praxis. Die körperliche Beteiligung ist fundamental, um diese Praxis in der Wirklichkeit des Lebens zu verwurzeln.

Zweitens ist die Lotushaltung (und Varianten davon) einfach eine sehr gute Sitzhaltung, eine wirkliche Verkörperung der Geisteshaltung in Zazen: Stabil und verwurzelt in diesem Moment, offen allem gegenüber, was auf Euch einwirkt und aufmerksam darauf, worum es sich handelt.

Wer die Haltung nicht einnehmen kann, ist selbstverständlich auch willkommen. Für jede Einschränkung sind Lösungen zu finden.

 

Kann ich nicht genauso gut zu Hause Zazen* machen?

– Natürlich ist es zu empfehlen Zazen* auch zu Hause zu praktizieren. Täglich mit Zazen zu beginnen und abzuschließen, ist die beste Garantie für die Vertiefung der Praxis. Ihr könnt nicht jeden Tag ins Dojo* gehen. Allerdings ist es wichtig regelmäßig in das Dojo zu kommen. Erstens: So einfach die Technik von Zazen auch ist, so groß ist auch die Möglichkeit, dass Euer verwickelter Geist diese jedes Mal willkürlich abwandelt. Darum ist ein regelmäßiger Kontakt mit einer lebendigen Unterweisung (so weit möglich auch auf den Sesshins* und Zazentagen) einfach unentbehrlich. Zweitens: Die Erfahrung mit anderen zusammen Zazen zu praktizieren, drückt aus worum es bei dieser Praxis geht: Die lebendige Erfahrung der ungetrennten Existenz. Wer nur alleine meditiert, läuft Gefahr ein eher isoliertes und selbst aufgeblasenes Ego zu behalten.

 

Ist Zen* buddhistisch?

– Ja. Historisch gesehen entstand die Zenschule im Schoß des chinesischen und japanischen Buddhismus. Aber entgegen dem Zeitgeist entstanden im Zen* nicht die

philosophischen und psychologischen Systeme, die in anderen buddhistischen Schulen oft aufgebaut wurden. Das macht Zen besonders anpassbar an neue Zeiten und neue Orte. So haben wir zwar eine Anzahl von japanischen Formen und Zeremonien übernommen und gehören zur Linie, die sich auf Meister Dogen (13. Jahrhundert) bezieht, dennoch ist es offensichtlich, dass unser Zen nicht japanisches oder chinesisches Zen ist. Auch kann Zen im 21. Jahrhundert noch ganz anders werden.

Die rote Linie bezüglich al der Veränderungen und Anpassungen ist jederzeit die Frage: Wie kann das Erwachen von Buddha Shakyamuni* und seiner Nachfolger lebendig weitergegeben werden in dieser Zeit.

 

Muss ich denn Buddhist sein oder werden, um in das Dojo* zu kommen?

– Nein.

 

Ich bin Christ / Jude / Moslem / anderer Konfession oder Auffassung… kann ich dennoch in das Dojo* kommen?

– Ja. Ihr wäret nicht die Ersten. Zen* hat kein ausschließliches religiöses Dogma und geht wirklich nur über die echte Erfahrung der Wirklichkeit Eurer Existenz. Die Weisheit und das Mitgefühl, die hier erfahrbar werden, sind vereinbar mit allen anderen Weisheitstraditionen.

 

Ich fühle mich absolut nicht religiös oder spirituell. Ich möchte einfach nur ein wenig wieder zu neuer Kraft kommen, beziehungsweise zur Ruhe kommen. Ist das möglich?

– Natürlich. Wenn Ihr denkt, dass das Zazen* im Dojo* Euch gut tut, seid Ihr willkommen. Die Unterweisung und die Umgebung ist an Menschen gerichtet, die den Weg des Zen* aus dem Geist des Erwachens heraus praktizieren. Aber das ist eine persönliche Entscheidung.

 

Ist Zen* eine Therapie?

– Nein. Es gibt tatsächlich Therapien, die von Sitzmeditation Gebrauch machen (Achtsamkeitsmeditation, um eine zu nennen) und einige dieser Übungen sind effizient. Im Dojo* bieten wir keine Therapie oder Übung in dieser Richtung an. Es ist wichtig sich dies vor Augen zu halten. Die Verantwortlichen in unserem Dojo sind keine Psychologen, Psychiater oder Therapeuten und sind nicht ausgebildet, um psychisch besonders schwierige Situationen aufzufangen und zu lösen. Um Zazen* ausüben zu können, benötigt Ihr ein Minimum an Selbstbeherrschung und Konzentrationsfähigkeit. Wenn Ihr eine Therapie macht oder Medizin nehmt, sagt uns Bescheid und beendet nicht die ärztliche oder therapeutische Begleitung, weil Ihr nun Zazen praktiziert.

 

Was ist die Aufgabe eines Lehrers?

– Ein Zenlehrer ist jemand, der Euch ermöglicht die eigene Praxis zu vertiefen, mit einer lebendigen Unterweisung, die basiert auf der Übertragung von Geist zu Geist (I shin denshin). Man kann sagen, dass ein Lehrer eine Art von Vorbild ist, vornehmlich durch die Art und Weise wie er/sie den Dharma* verkörpert und Euch begeistert, um den Dharma selber zu verkörpern. In der Praxis entsteht ein Lehrer-Schülerbeziehung organisch und unterscheidet sich von Person zu Person. In jedem Fall ist es wichtig nicht zu erwarten, dass der Zenlehrer alle Probleme für Euch löst. Im besten Fall lernt Ihr bei einem Lehrer autonomer und freier zu werden. Aber das hängt auch von Eurer eigenen Haltung ab.

 

Woher weiß ich, wer mein Lehrer ist?

– Das beschließt Du selbst – aber in jedem Fall sollte niemand Dir einen Lehrer zuweisen. Die Unterweisenden im Dojo* sind Schüler von Meister Roland Rech.

 

Wofür dienen die Zeremonien und können diese nicht weggelassen werden ?

Man könnte auf sie verzichten, denn die Essenz ist Zazen*. Wenn Ihr Zazen macht, ist nichts anderes als Zazen erforderlich.

Die Zeremonien werden Ausdruck von Zazen. Ihr macht nicht den ganzen Tag Zazen. Aber nach Zazen sofort aufzustehen, hinausgehen und zu sprechen beginnen? Das ist möglich, aber man hat gemerkt, dass es nicht sehr gut ist. Es ist besser, wenn auch nicht unbedingt nötig, in der Fortsetzung von Zazen gemeinsam etwas zu praktizieren, was das ausdrückt, was Ihr gemeinsam in Zazen erfahren habt.

Die große Schwierigkeit für Anfänger besteht darin, dass sie den Eindruck haben, es handle sich um fernöstliche Folklore, die dem Zazen aufgeklebt worden ist. In Wirklichkeit ist jedoch jeder Aspekt der Zeremonie ein Ausdruck von Zazen, so dass es keine Trennung, keine Dualität zwischen beidem gibt. Wenn Ihr das versteht, könnt Ihr auch verstehen, dass es keinerlei Dualität zwischen Zazen und dem Rest des täglichen Lebens gibt. Die Zeremonie ist wie ein Bindeglied zwischen der Unbeweglichkeit und dem Schweigen von Zazen und der Handlung, der Bewegung des Alltags.

Wenn Ihr das nicht so empfindet, könnt Ihr auch in der Reihe stehen bleiben und einfach nur Gassho* machen und darauf warten, dass es vorbeigeht. Die Zeremonie ist keine Pflicht.

 

Warum kann es nicht einfach eine Art von Buddhismus geben? Warum gibt es all diese Unterschiede zwischen tibetischen Buddhisten, Zen-Buddhisten, Vipassana, Theravada und so weiter?

Das hat vor allem mit der enormen Verbreitung des Buddhismus zwischen dem 6. Jahrhundert vor Christus bis ungefähr zum 13. Jahrhundert nach Christus zu tun. Der Buddhismus hat sich nicht geordnet verbreitet, sondern vielmehr wie ein Flussdelta. Der Buddhismus hat sich in den verschiedenen Jahrhunderten in sehr unterschiedlichen Kulturen Asiens jeweils an die zeitliche und örtliche Situation angepasst . In einer Periode, in der es noch keine Massenkommunikationsmittel gab, entwickelte der Buddhismus in den verschiedenen Ländern jeweils ganz eigene Methoden, Techniken und Verhaltensweisen, um zu unterrichten und sich auszudrücken. Es gab daneben auch Perioden, in denen große Lehrer unabhängig voneinander verschiedene Aspekte des Dharma* betonten. Das geschah in der Regel in Zeiten, in denen ein Land durch dramatische Veränderungen ging (wie im Japan des 13. Jahrhunderts von Meister Dogen). Nur weil die verschiedenen Kommentare der Lehrer so attraktiv, wirkungsvoll und tief waren, blieben die Unterschiede bestehen. Dadurch ist der heutige Buddhismus eher eine Reihe von wirkungsvollen Methoden, als ein einheitlicher Block. Das führt manchmal zu Diskussionen und Fragen, was eine gesunde Sache ist, aber von einer Verunglimpfung der anderen Strömungen kann keine Rede sein.

 

Glossar:

Buddha Shakyamuni:

der historische Buddha

 

Dharma:

das Gesetz, das Leitprinzip des Universums, die Wirklichkeit als Ganzes. Das Universum ist eins, alle Daseinsformen haben dieselbe Natur. Wenn alle Daseinsformen dem universellen Gesetz folgen, ist alles ausgewogen, in Harmonie, ist alles Buddha. Shakyamuni Buddha* und die Zenmeister haben nur dies gelehrt. Deshalb bedeutet Dharma auch : die Lehre

 

Dojo:

Das Dojo ist kein gewöhnlicher Ort; es ist der Raum, in dem Zazen* praktiziert wird. Wenn man das Dojo betritt, lässt man ganz natürlich alle persönlichen Sorgen zurück und konzentriert sich in jedem Augenblick auf die Art zu gehen, zu sitzen, usw.. Der Geist ist offen, präsent für die Wirklichkeit des Augenblicks.

 

Gassho:

das senkrechte Zusammenlegen beider Hände vor dem Körper und anschließender Verneigung. Symbol des Respekts und der Einheit von Geist und Existenz

 

Sesshin:

intensive Übungsperiode, die in unserer Tradition 2 bis 9 Tage dauern kann. Alle unsere gewohnten Sorgen vergessend, tauchen wir tief in die Praxis ein. Die Betonung liegt auf Zazen* und den täglichen Handlungen: Zazen*, Zeremonien, Samu (konzentrier-tes Arbeiten), Studium. Auf diese Weise berührt man seinen wahrhaftigen, ursprünglichen Geist, die Buddhanatur, die uns und allen Daseinsformen des Universums gemeinsam ist.

 

Zazen:

Za, sitzen; Zen, Sammlung. Zazen selbst ist Erwachen. Es ist die unmittelbare Erfahrung der letztgültigen Wirklichkeit. Durch die Praxis der Konzentration wird das Mentale still, die Vorstellung eines Ichs verschwindet, Körper und Geist können auf-gegeben werden und man findet unbewusst zu seiner wahren Natur zurück, zur Buddha-natur, eins mit allen Daseinsformen, mit dem ganzen Kosmos. Buddha ist Zazen sitzend zum Erwachen gelangt. Seine gesamte Lehre, der „Buddhismus“ überhaupt, entspringt dieser lebendigen Erfahrung

 

Zen:

chinesisch: ch´an, dhyana im Sanskrit. Wahre und tiefe Stille, Sammlung, in der alle Unterscheidungen oder Trennungen beseitigt werden. Wird gewöhnlich mit Konzentration oder Meditation ohne Gegenstand übersetzt. Rückkehr zum ursprünglichen und reinen Geist des Menschen