Zen-Basics

Einheit von Körper und Geist

M. Taisen Deshimaru (1914-1982)

WENN EINER FRAGT „WAS IST DAS WAHRE ZEN?“,
DANN IST ES NICHT NÖTIG, DASS IHR DEN MUND ÖFFNET; ES ZU ERKLÄREN.
ZEIGT ALLE ASPEKTE EURER ZAZEN-HALTUNG.
DANN WIRD DER FRÜHSLINGSWIND WEHEN UND
DIE WUNDERBARE PFLAUMENBLÜTE AUFGEHEN LASSEN.

Daichi Sokei

Zazen

Die Praxis des Zazen ist das Geheimnis des Zen.

Um Zazen zu üben, setze dich auf ein Kissen (Zafu), die Beine im Lotus, halben Lotus oder viertel Lotus gekreuzt. Wenn du das nicht kannst, kannst du die Unterschenkel im burmesischen Sitz voreinander legen. Wenn du das auch nicht kannst, kannst du auf einem Bänkchen oder einem Stuhl sitzen.
In allen Haltungen ist das Becken leicht nach vorn geneigt, damit sich die Wirbelsäule natürlich und entspannt aufrichten kann.
Experimentiere mit der Sitzhöhe und -position, so dass du stabil sitzt.
Von dieser Basis aus richtet sich die Wirbelsäule auf, du streckst den höchsten Punkt des Schädels sanft „in den Himmel“.
Das Kinn ist zurückgezogen, der Kopf ist gerade, die Schultern locker.
Der Blick ist gesenkt und ruht auf der Wand oder etwa einen Meter vor dir auf dem Boden, ohne etwas Bestimmtes anzuschauen.
Der Mund ist geschlossen, ohne verkrampft zu sein. Die Zungenspitze liegt vorn am Gaumen an.
Die eine Hand liegt auf der anderen Hand, die Handflächen zeigen nach oben. Die Daumen berühren sich leicht, und sie sind waagerecht. Die beiden Hände liegen auf den Schenkeln, und die Handkanten haben Kontakt zum Unterbauch.
Die Hände bilden das kosmische Dhyana-Mudra, Hokkai-Join.
Die Atmung soll ruhig sein. Deine Aufmerksamkeit ist auf die Ausatmung gerichtet, die lang und tief ist. Die Einatmung kommt spontan, natürlich und von selbst. Der Bauch ist immer frei, entspannt und dehnt sich aus.

Die Aufmerksamkeit auf die Haltung und die Atmung löst den unaufhörlichen Fluss der Gedanken und das Grübeln auf.
Entspanne dich.
Die Aufrichtung kommt dann quasi von alleine.

Stabilität – Entspannung – Aufrichtung

Nicht bewegen.


Kinhin

Kinhin übt man zwischen zwei Zazen. Es ist Gehen im Rhythmus der Atmung.
Wie beim Zazen ist die Konzentration auf jeden Aspekt der Haltung wesentlich.
Beim Kinhin ist der linke Daumen im Innern der linken Faust eingeschlossen, die Daumenwurzel drückt gegen das Sonnengeflecht. Die rechte Hand umschliesst die linke Faust. Die Unterarme sind waagerecht, die Schultern entspannt. Der Rücken ist gerade, das Kinn zurückgezogen, der Nacken gestreckt, der Blick gesenkt in einem Winkel von fünfundvierzig Grad.
Während der Ausatmung drücktst du mit der Wurzel der grossen Zehe des vordeDie wiederholte Übung von Kinhin, wie auch von Zazen, beeinflusst unser Leben und lässt uns in allen Handlungen des Alltags Gleichgewicht und aufrechten Gang erwerben.ren Fusses und mit dem ganzen Körpergewicht auf den Boden, das Knie ist gespannt. Wie beim Zazen ist die Ausatmung lang, tief, geräuschlos und kraftvoll. Sie ruft eine Ausdehnung unterhalb des Nabels hervor und erschafft in der Haltung eine starke Stabilität. Am Ende der Ausatmung entspannt sich der Körper.
Die Einatmung geschieht ganz natürlich. Gleichzeitig machst du einen kleinen Schritt vorwärts, ca. um eine halbe Fußlänge. Dabei passt du dich der Geschwindigkeit des Vorangehenden an.
Kinhin entwickelt in uns eine aufrechte Haltung der Würde.


Dojo

Das Dojo ist der Ort der Übung und Unterweisung.
In einem Dojo lernst und übst du immer wieder die Grundhaltungen, Sitzen, Stehen, Gehen (und Liegen). Du machst Zazen und lernst loszulassen.
Das Dojo ist auch ein Ort des Sangha (der Gemeinschaft). Wir sitzen und rezitieren gemeinsam mit anderen.



Sesshin

“In unserer verwirrten Welt Zazen zu üben bedeutet, zur wahren Dimension des Menschen zurückzukehren und das grundlegende Gleichgewicht seiner Existenz wiederzufinden.” Taisen Deshimaru

Vertraut werden mit sich selbst: Seit der Zeit von Buddha Shakyamuni sind die Sesshins das Herz des Zen.
Ein Sesshin ist eine Periode, die der intensiven Zazen-Übung gewidmet ist, dazwischen Mondo (Gespräch mit dem Lehrer), Samu (meditative Arbeit für die Gemeinschaft) und Mahlzeiten.
Sesshin heißt, “den wahren Geist berühren”, mit sich selbst vertraut werden, mit seinem eigenen Körper und seinem eigenen Geist. Es bedeutet, sich in Einklang bringen mit den anderen, der Natur, der „kosmischen Ordnung“.
Während eines Sesshins, dessen Dauer zwischen einem und mehreren Tagen varriiert, ist jede Handlung die Fortsetzung von Zazen.
Zen besteht darin, sich auf jede Handlung intensiv zu konzentrieren, völlig in der Gegenwart zu leben.
Du kannst eine Zen-Haltung im alltäglichen Leben entwickeln.
Zen ist die Unterweisung der Ewigkeit. Ewigkeit, die nichts anderes ist als die Abfolge von Augenblicken.


Hishiryo

Durch die Praxis des Zen wird uns die Unbeständigkeit des Geistes bewusst.
Hishiryo (der Geisteszustand während Zazen) bedeutet, die Gedanken vorbeiziehen zu lassen.
Wir lassen die Urteile hinter uns. Wir verlernen das zu suchen, was wir gern haben, und das zu fliehen, was uns zuwider ist.
Wir nehmen wahr was ist.