Auf was lasse ich mich hier ein?

Hallo

Ich schreibe hier einmal mein persönliche Erfahrung nieder. Nicht dass es allgemeingültig wäre, jeder Mensch ist anders. Aber vielleicht hilft es denen etwas, die die Seite entdecken und überlegen, ob Zazen etwas für sie sein kann oder doch eher nicht.

Ich habe vor einiger Zeit auch überlegt, ob ich denn diesen 1. Schritt gehen soll und mich zu einer Einführung anmelde.
Meine Tage waren ausgefüllt: berufliche Anforderungen, die Familie, der nächste Urlaub, Mängel
der Wohnung, Gartenarbeit und die Gesundheit – der Arzt, immer mehrere Dinge gleichzeitig. Und der Kopf ratterte ständig. Was ist das, was uns daran hindert mal zur Ruhe zu kommen.? Selbst nachts im Traum rattert die Birne weiter. Ist das OK? Muss das so sein? Was hilft mir? Zazen?

Die Einführung
Zazen bedeutet “nur sitzen”. So ist die Sitzposition ein wichtiger Punkt in der Einführung. Schließlich sitzen wir viel und lange. Niemand muss dabei im Lotus Sitz sitzen. Aber wir sitzen auf dem Kissen und die Knie sollen auf dem Boden sein, damit wir festen Halt haben. Wer gar nicht auf dem Kissen sitzen kann, kann auch einen Hocker benutzen.
Das Dojo (der Raum) und der gesamte Ablauf des Zazen werden erklärt. Zweimaliges Sitzen, dazwischen Kinhin eine Gehmeditation und zum Abschluss eine Zeremonie. Wann gehen wir wohin, wie sollen die Hände gehalten werden, wann machen wir Gassho (die Verbeugung).
Es ist viel zu merken und es bleibt nicht alles hängen. Aber man sitzt ja nicht allein und kann sich immer an seinem Nachbarn orientieren.

Das erste Zazen bzw. die ersten Male
Im Anschluss an die Einführung wird die Teilnahme am ersten Zazen angeboten. Wir sitzen gerade auf unserem Kissen, die Knie auf dem Boden, die linke Hand in der Rechten und schauen leicht nach unten auf die Wand vor uns. RUHE! Mache ich alles richtig, habe ich nichts vergessen, was kommt als Nächstes. Und
schon wieder rattert der Kopf. STOPP! Nein so wird das nichts. Konzentration auf die Atmung und die Sitzhaltung. Nicht Zusammensacken – nicht einschlafen – Einatmen – Ausatmen. Wenn wir sitzen, dann sitzen wir. Alles andere ist unwichtig. Alles andere ist jetzt nicht dran. Der Körper braucht eine Weile um zur Ruhe zu kommen.
Die Beine schlafen ein. Ja, das geschieht häufig. Die Beine dürfen schlafen. Lass sie schlafen, die werden auch wieder wach. Einatmen – Ausatmen. Über die Konzentration auf die Atmung kann man weiter ruhig sitzen. Wer sich auf die Beine konzentriert wird Schmerz empfinden. Es muss hier aber niemand sich selbst foltern und Schmerzen aushalten.
Der Gedankenschwenk weg von den Beinen hin zur Atmung klappt nicht immer. Wer sich etwas umsetzen muss kann dies – leise und ohne die anderen zu stören – tun.
Nach dem Zazen kann j
eder nochmal seine Fragen loswerden. Wie habe ich mich gefühlt?
Komme ich nochmal? Möchte ich das häufiger oder regelmäßig machen?
Wer nur 1 oder 2 mal kommt, hat die Entscheidung wahrscheinlich unter negativen körperlichen Empfindungen getroffen. Für mich persönlich habe ich damals entschieden erst nach 10 Zazen zu e
ntscheiden, ob Zazen etwas für mich ist. Es ist schon etwas Gewöhnung notwendig. An dieser Stelle möchte ich jedem raten es ebenso zu halten. Positive Erfahrungen ergeben sich nicht in 1-2 Stunden

Buddhismus
Ist Zazen buddhistisch? JA, Und der kleine Verein Zendo Wuppertal, der dieses Dojo betreibt, verfolgt den Zweck die Praxis und das Gedankengut des Zen-Buddhismus zu verbreiten.
Trotzdem darf auch jeder, der einer anderen Religionsgemeinschaft nahe steht, am Zazen teilnehmen. Etwas Beschäftigung mit buddhistischen Gedankengut wird sich jedoch nicht vermeiden lassen.
Mir persönlich haben viele Grundsätze sehr gut gefallen und mir geholfen. Es gibt keinen Gott. Davon war ich schon lange überzeugt. Buddha war ein Mensch. In der gesamten Evolution haben Menschen alles, was sie sich nicht erklären konnten, den Göttern zugeschrieben. Der Gott des Donners wurde verbannt als die Entstehung des Donners erklärt werden konnte. Die Entstehung des Lebens können wir immer noch nicht erklären. Gott schuf das Leben. Das muss man dann glauben. Glaube ist Nicht-Wissen. Im Buddhismus wird nichts geglaubt.
Der Umgang mit dem Tod. Mit steigendem Alter rückt die Frage weiter ins Bewusstsein.
Dieses Streben nach Macht und Besitz als zentrale Erfolgskriterien unserer Gesellschaft.
Es gibt viele Fragen bei denen uns eine buddhistische Sicht mindestens neue Aspekte bringt. Achtsam durchs Leben gehen.

Was bringts?
„Zazen for nothing“ war vor einigen Jahren ein Kinofilm. Ja – wir sitzen – für nix.
Aber…..
Die regelmäßige Praxis hat mich gelehrt den Kopf selbst zu beobachten und die Gedanken zu kontrollieren. Den Kopf bewusst leeren oder auch einzelnen Gedanken mal sagen: du bist jetzt nicht dran. Dies ist in vielen Lebenssituationen hilfreich und schafft oft eine klarere Sicht auf Dinge.
Mit mehr Gelassenheit zur Arbeit gehen auch wenn man weiß, wie viel dort zu tun ist. Es fällt leichter sich zu konzentrieren und die Dinge nacheinander abzuarbeiten.
Nicht mehr alles gleichzeitig bewältigen wollen. Sich auf eine Tätigleit konzentrieren bis sie abgeschlossen ist.
In der Natur oder bei anderen schönen Momenten des Lebens sich leichter auf das Schöne zu konzentrieren und die Tagesprobleme und Sorgen ausschalten.
Zazen bringts – fürs Leben.

Einer der beim Zazen dabei geblieben ist